23.03.2006
Segelflug im VfL-Wetzlar

Wir betreiben im VfL Wetzlar den Segelflug- und Modellflugsport. Eines unserer Ziele ist es, möglichst viele Fluginteressierte an unseren Sport heranzuführen.

Segelfliegen- Wie funktioniert das?

Segelflugzeuge stellen- aerodynamisch gesehen- die Formel 1 der zivilen Luftfahrt dar. Die Oberflächen der Flugzeuge sind so glatt wie bei keinem anderen Luftfahrzeug. Moderne Segelflugzeuge werden aus Kunststoffen hergestellt. Sie haben schlanke Rümpfe und dünne schmale Flügel. Die Flügelspannweite liegt zwischen 15 und 31 m, das Gewicht der Flugzeuge bei 200 bis 750 kg. Ihre Gleitzahlen betragen bis zu 1:60, d.h., aus einem Kilometer Höhe können sie ohne äußere Einflüsse etwa 60 km weit gleiten.

   




 

Segelflugzeuge sind voll steuerbar. Es werden Geschwindigkeiten zwischen 75 und 275 km/h geflogen, dabei werden Höhen von 2000 m über Grund und mehr erreicht. Überlandflüge finden zu 90 % in Höhen über 800 m statt.

Während des Fluges gilt es, Aufwinde zu finden und diese für ein schnelles Steigen zu nutzen. Bussarden gleich (und häufig auch in enger Nachbarschaft zu diesen und anderen Vögeln) schraubt sich das Flugzeug in der aufsteigenden Warmluft nach oben. Mit der gewonnenen Höhe wird anschließend in einem mehr oder weniger schnellen Gleitflug der nächste Aufwind angeflogen. Im Flachland können lediglich thermische Aufwinde, die durch die Sonneneinstrahlung entstehen, genutzt werden. Bei günstiger Wetterlage kann hier ein Segelflugzeug mehr als zehn Stunden in der Luft bleiben und dabei mehrere hundert Kilometer zurücklegen. Im Gebirge, wo Hangwinde und Wellenaufwinde hinzukommen, liegt der Streckenrekord bei 3000 km.

Aufgrund der Abhängigkeit von der Sonnenintensität ist die Ausübung des Sports, in der Ebene, auf Tage mit sonnigem Wetter beschränkt. Die Saison für Überlandflüge dauert i.d.R. von März bis September.

Der Start von Segelflugzeugen erfolgt an Winden oder per Flugzeugschlepp. Bei uns wird ausschließlich an der Winde gestartet. Winden sind im Prinzip Lastkraftwagen mit auf der Ladefläche montierten kräftigen Diesel- oder Benzinmotoren, die große Seiltrommeln antreiben. Unsere Winde ist auf einem alten Hanomag-Fahrgestell montiert und verfügt über einen 260 PS starken Chevrolet Benzinmotor mit 5,7 Liter Hubraum. Es wird immer gegen den Wind gestartet. Dabei wird ein ausgelegtes 4,7 mm starkes Stahlseil eingezogen, an dessen Ende das Segelflugzeug eingeklinkt ist. Bei 1200 m Seillänge gelangt das Segelflugzeug, abhängig von der Stärke des Gegenwindes, auf etwa 300 bis 500 m über Grund. Je höher die Ausklinkhöhe, desto größer ist die Chance Anschluss an die Thermik zu finden. Ohne Thermik muss der Pilot nach einer Platzrunde direkt wieder landen. Diese dauert dann ca. 5 Minuten. Der Windenstart ist sehr bewährt, sicher, günstig und umweltfreundlich ( ca. 1,5 Liter Benzin pro Start inklusive Ausziehen des Startseils).

Besonders im Ausland, aber auch auf einigen Plätzen in Deutschland wird der Flugzeugschlepp bevorzugt: Hierbei wird das Segelflugzeug an einem 40 bis 60 m langen Seil von einem Motorflugzeug in die Höhe gezogen. Dieser F-Schlepp ist nicht sicherer, aber teurer und meist weniger umweltfreundlich. Er hat jedoch den großen Vorteil, dass das Segelflugzeug an einem gewünschten Ausklinkort in die gewünschte Höhe z.B. in die Thermik, gezogen werden kann.

Die Landung erfolgt im Normalfall auf dem Flugplatz, dabei sind vorgegebene Platzrunden einzuhalten. Außenlandungen können sowohl auf fremden Flugplätzen, als auch auf landwirtschaftlichen Flächen vorkommen. In diesem Fall fährt ein Team mit einem Flugzeughänger zum Außenlandeort um das Flugzeug in ca. 10 min abzurüsten und zum Heimatflugplatz zurück zu transportieren. Eventuell entstandene Schäden an landwirtschaftlichen Flächen sind von der Haftpflichtversicherung des Piloten abgedeckt.

Die eigentlichen, intensiv genutzten Start- und Landeflächen für Segelflugzeuge sind kurz gehaltene Grünflächen von ca. 300 m Länge und 100 m Breite. Um verschiedene Windrichtungen nutzen zu könne liegen diese Landegassen an der Ost- und Westseite (Richtung A45 / Richtung Wetzlar) unseres Platzes. Durch den Schleppweg, auf dem die Seile ausgezogen werden sind sie miteinander verbunden.

Kann man auch mitfliegen?

Wir bieten im VfL Wetzlar die Möglichkeit mit einem erfahrenen Piloten mitzufliegen. Sie können sich in einem unserer Doppelsitzer die Gegend von oben ansehen. Ein Gastflug von 15 min kostet 10 €, jede weitere min 0,5 €. Wir können natürlich nicht immer garantieren, dass der Flug mindestens 15 min dauert, wie gesagt ist dies vom Wetter abhängig. Bei kürzeren Flügen bekommen Sie die restliche Zeit aber auf jeden Fall gut geschrieben. Am besten Sie besuchen uns in den Sommermonaten bei gutem Wetter an Wochenenden oder Feiertagen.

Übrigens, Fluggutscheine, z.B. zum Verschenken an Geburtstagen, etc gibt es bei uns natürlich auch.

Till Michalek

Quellen + Zitate aus: Luftsport und Naturschutz- Gemeinsam abheben, Braunschweig 2003, vom Deutschen Aero Club, sowie Bundesamt für Naturschutz.